
Mein Kind (2) schreit und lässt sich nicht beruhigen
Es gibt Momente, in denen kein Trost der Welt anzukommen scheint. Was dein schreiendes Kind dann wirklich braucht, ist oft das Gegenteil von dem, was wir instinktiv tun.
Erwachsenen-, Eltern- und Familiencoaching
Dein Kind möchte nicht in den Kindergarten und der Abschied wird jeden Morgen zur Zerreißprobe? Tränen, Festklammern und ein verzweifeltes „Ich will nicht!“ können Eltern verunsichern. Doch was steckt wirklich dahinter und was kannst du tun, damit dein Kind sich sicher fühlt, ohne seine Gefühle unterdrücken zu müssen?
In diesem Beitrag erfährst du, was beim Abschied helfen kann und warum Nähe dabei eine ganz besondere Rolle spielt.
Was Eltern tun können
Du wünschst dir wahrscheinlich, dass dein Kind morgens fröhlich in den Kindergarten läuft, dir winkt und sagt: „Tschüss Mama!“
Gerade am Anfang sieht es aber oft anders aus. Dein Kind weint, klammert sich an dich und möchte am liebsten wieder mit nach Hause.
Wenn dein Kind nicht in den Kindergarten möchte, kann das viele Gründe haben. Oft fällt ihm vor allem die Trennung schwer. Auch ein Kind, das grundsätzlich gerne im Kindergarten ist, kann beim Abschied traurig werden.
Eine Frage ist dabei besonders interessant: Wie geht es deinem Kind, nachdem du gegangen bist?
Frag die pädagogischen Fachkräfte, wie lange dein Kind weint und ob es sich anschließend beruhigen lässt. Findet es ins Spiel? Lässt es sich trösten? Wirkt es nach einiger Zeit wieder zufrieden?
Das hilft dir, die Situation besser einzuschätzen.
Du kannst auch darum bitten, dass dir kurz Bescheid gegeben wird, sobald dein Kind sich beruhigt hat. Gerade wenn du selbst mit einem unguten Gefühl aus dem Kindergarten gehst, kann so eine Rückmeldung sehr helfen.
Dein Kind kann beim Abschied weinen und sich kurz danach wieder beruhigen. Tränen beim Abschied allein sagen noch nicht, dass es deinem Kind im Kindergarten schlecht geht.
Judith Braun
Du möchtest wahrscheinlich, dass dein Kind möglichst wenig traurig ist. Trotzdem darf es beim Abschied weinen. Es muss morgens nicht fröhlich in den Kindergarten gehen, damit die Eingewöhnung funktioniert. Die Trennung von Mama oder Papa kann sich einfach schwer anfühlen.
Versuche deshalb nicht, deinem Kind die Gefühle auszureden.
Sätze wie „Du brauchst doch nicht zu weinen“ oder „Es ist doch gar nicht schlimm“ helfen oft wenig. Dein Kind erlebt die Situation gerade anders.
Du kannst stattdessen sagen:
„Ich weiß, dass du traurig bist.“
„Ich hole dich später wieder ab.“
„Du möchtest, dass ich bleibe.“
Damit weiß dein Kind, dass du seine Gefühle gesehen hast und trotzdem darauf vertraust, dass es den Vormittag schafft.
Wenn du morgens schon denkst: „Hoffentlich weint es heute nicht“, kann der Abschied auch für dich ziemlich anstrengend werden. Vielleicht gehst du deshalb schon vorher ein bisschen auf Abstand. Du möchtest die Situation nicht noch schwerer machen.
Dabei braucht dein Kind vielleicht gerade deine Nähe.
Kuschelt noch einmal. Drück dein Kind. Nimm dir kurz Zeit, bevor ihr euch verabschiedet. Sei noch einmal ganz bei deinem Kind und tankt gemeinsam etwas Nähe. Danach darf der Abschied trotzdem klar und kurz sein.
Du musst dich nicht emotional zurückziehen, damit das Gehen leichter wird. Wenn du schon vor dem Kindergarten versuchst, dich innerlich etwas zu lösen, damit du den Abschied besser aushältst, kann dein Kind das möglicherweise spüren. Du darfst deinem Kind nah sein und dich trotzdem verabschieden.
Manchen Kindern hilft etwas Vertrautes von zu Hause.
Das kann ein kleines Tuch, ein Schal oder etwas anderes sein, das nach Mama oder Papa riecht und das dein Kind im Kindergarten bei sich haben darf.
So etwas Kleines kann erstaunlich viel bedeuten.
Vielleicht ist es einfach der kleine Mama-Schutz für die Hosentasche, den dein Kind braucht, wenn du gerade nicht da bist.
Ein vertrauter Gegenstand kann deinem Kind den Übergang erleichtern. Besprich vorher mit dem Kindergarten, was dein Kind mitnehmen darf.
Judith Braun
Auch ein kleines Ritual gibt Orientierung.
Ihr zieht gemeinsam die Jacke aus, begrüßt die Erzieherin, kuschelt noch einmal und sagt euren festen Abschiedssatz. Danach gehst du.
Es kann helfen, wenn der Ablauf jeden Morgen ähnlich ist. Dein Kind weiß dann, was passiert, und muss sich nicht jedes Mal neu darauf einstellen
Wichtig ist auch, dass du dich wirklich verabschiedest. Heimlich wegzugehen kann für ein Kind sehr verunsichernd sein. Ein kurzer, klarer Abschied kann sich für dich erst einmal hart anfühlen. Für dein Kind kann die Verlässlichkeit aber hilfreich sein.
Manchmal klappt der Kindergarten eine Zeit lang gut und plötzlich möchte das Kind morgens wieder nicht hingehen.
Auch das kann vorkommen.
Vielleicht hat sich etwas im Kindergarten verändert. Vielleicht gibt es eine neue Situation, eine andere Bezugsperson oder gerade besonders viele Veränderungen. Auch Müdigkeit oder ein stärkeres Bedürfnis nach Nähe können eine Rolle spielen.
Schau deshalb einmal genauer hin: Was hat sich verändert? Sprich auch mit den pädagogischen Fachkräften. Sie können dir erzählen, wie dein Kind den Tag im Kindergarten erlebt und ob ihnen etwas aufgefallen ist.
Judith Braun
Wenn dein Kind dauerhaft nicht in den Kindergarten möchte, solltest du mit den pädagogischen Fachkräften darüber sprechen.
Vor allem dann, wenn es sich auch nach dem Abschied nicht beruhigt, über längere Zeit sehr unglücklich wirkt oder sich sein Verhalten deutlich verändert.
Die Fachkräfte können dir erzählen, wie dein Kind den Vormittag erlebt. Gemeinsam könnt ihr überlegen, was ihm gerade fehlt und was den Kindergartenbesuch leichter machen könnte.
Du kennst dein Kind am besten. Wenn du das Gefühl hast, dass etwas nicht stimmt, darfst du diesem Gefühl nachgehen und das Gespräch suchen.
Dein Kind muss beim Abschied nicht lernen, keine Tränen mehr zu haben. Es darf lernen: Mama geht. Mama kommt wieder.
Judith Braun
Und bis dahin bin ich im Kindergarten sicher. Vielleicht braucht es dafür ein bisschen Zeit. Vielleicht ein festes Ritual. Vielleicht noch ein paar extra Kuscheleinheiten am Morgen. Du musst den Abschied nicht perfekt machen.
Du darfst deinem Kind zeigen, dass du da bist, seine Gefühle ernst nimmst und darauf vertraust, dass ihr diese Zeit gemeinsam schafft.
Dieser Beitrag wurde mit Unterstützung künstlicher Intelligenz erstellt und redaktionell von Judith Braun geprüft und überarbeitet.
Judith Braun ist Familiencoachin, ausgebildete Erzieherin und Pädagogin aus Hamburg. Seit über 15 Jahren begleitet sie Eltern und Familien. In Kindertagespflegestätten, im 1:1 Familiencoaching und in der systemischen Familienberatung.

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