
Mein Kind (2) schreit und lässt sich nicht beruhigen
Es gibt Momente, in denen kein Trost der Welt anzukommen scheint. Was dein schreiendes Kind dann wirklich braucht, ist oft das Gegenteil von dem, was wir instinktiv tun.
Erwachsenen-, Eltern- und Familiencoaching
„Das war ich nicht!“
„Aber ich habe doch genau gesehen, dass du das warst.“
Oder dein Kind erzählt dir eine Geschichte und du weißt ganz genau: So kann das nicht passiert sein.
Dann kommt schnell der Gedanke: Warum lügt mein Kind mich an?
Gerade bei jüngeren Kindern lohnt es sich, genauer hinzuschauen. Denn das, was wir Erwachsenen als Lüge bezeichnen, ist bei Kindern häufig etwas anderes.
Wenn dein Kind etwas erzählt, das offensichtlich nicht stimmt, fragst du dich vielleicht: „Warum lügt mein Kind?“
Wir Erwachsenen denken dabei schnell an eine bewusste Täuschung.
Bei jüngeren Kindern kann aber etwas ganz anderes dahinterstecken.
Kinder müssen erst lernen, Erlebtes, Gedachtes, Gewünschtes und Erfundenes voneinander zu unterscheiden. Das Gehirn befindet sich noch in der Entwicklung und manche Grenzen, die für uns längst selbstverständlich sind, sind für ein kleines Kind noch nicht so klar.
Deshalb lohnt es sich, nicht sofort von einer Lüge auszugehen.
Wenn dein Kind etwas erzählt, das nicht stimmt, bedeutet das nicht automatisch, dass es dich bewusst anlügen möchte. Fantasie, Erinnerung und Wirklichkeit können bei jüngeren Kindern noch eng miteinander verbunden sein.
Judith Braun
Kinder leben viel stärker in einer fantasievollen Welt.
Der Weihnachtsmann ist echt. Einhörner könnten irgendwo leben. Unter dem Bett könnte ein Monster sitzen. Dinosaurier, Hexen und Drachen gehören ganz selbstverständlich in Geschichten und Spiele.
Beobachte dein Kind einmal beim Rollenspiel.
Wenn es gerade Feuerwehrfrau, Ritter, Tierärztin oder Drache ist, spielt es diese Rolle nicht einfach nur. Es taucht mit seiner ganzen Vorstellungskraft darin ein.
Diese Fähigkeit kann sich auch in den Geschichten zeigen, die dein Kind erzählt.
Für uns Erwachsene ist die Grenze meist klar:
Das habe ich selbst erlebt. Das habe ich gesehen. Das habe ich mir vorgestellt.
Für ein kleines Kind können diese Dinge noch stärker ineinanderfließen.
Vielleicht erzählt dein Kind von etwas, von dem du sicher weißt, dass es so nicht passiert ist. Oder es erzählt ein Erlebnis so, als hätte es dieses selbst erlebt, obwohl es eigentlich nur beobachtet hat, wie jemand anderes etwas getan hat.
Dann kommt schnell die Frage „Warum lügt mein Kind?“
Vielleicht ist es aber gar keine bewusste Lüge.
Dein Kind erinnert sich anders an die Situation oder verbindet Erlebtes mit seiner eigenen Vorstellung. Manchmal erzählt es auch etwas so, wie es sich gewünscht hätte.
Das bedeutet nicht automatisch, dass dein Kind dich bewusst täuschen möchte.
Du siehst, wie dein Kind etwas umwirft.
Du fragst:
„Hast du das gemacht?“
Und dein Kind schaut dich an und sagt vollkommen überzeugt:
„Nein. Das war ich nicht!“
Das kann uns Erwachsene wahnsinnig machen. Schließlich haben wir es doch mit eigenen Augen gesehen.
Aber auch hier hilft es, die kindliche Entwicklung mitzudenken. Gerade kleine Kinder leben stark im Hier und Jetzt. Der Moment, in dem etwas passiert ist, ist bereits vorbei. Zeit, Erinnerung, das eigene Handeln und die Konsequenzen daraus werden noch nicht so verarbeitet und miteinander verbunden, wie wir Erwachsenen es können.
Dazu kommt: Manchmal steckt hinter einem „Das war ich nicht“ auch der Wunsch, Ärger zu vermeiden oder das eigene Selbstbild zu schützen.
Deshalb solltest du nicht jedes „Das war ich nicht“ sofort als bewusste Lüge bewerten.
Wenn dein Kind fantastische Geschichten erfindet, darfst du darin auch etwas Schönes sehen. Dein Kind besitzt Fantasie. Es kann sich Dinge vorstellen, Geschichten entwickeln und gedanklich in andere Welten eintauchen.
Anstatt sofort zu sagen:
„Das stimmt doch gar nicht! Hör auf zu lügen!“
kannst du neugierig bleiben:
„Wow, das ist ja eine spannende Geschichte. Hast du dir das ausgedacht oder ist das wirklich passiert?“
Damit hilfst du deinem Kind nach und nach, Fantasie und Wirklichkeit voneinander zu unterscheiden, ohne seine Vorstellungskraft abzuwerten.
Fantasie muss nicht korrigiert werden. Dein Kind darf Geschichten erfinden. Es kann gleichzeitig lernen, zwischen einer erfundenen Geschichte und einem echten Erlebnis zu unterscheiden.
Judith Braun
Die Fähigkeit, bewusst die Unwahrheit zu sagen, entwickelt sich schrittweise.
Schon jüngere Kinder können versuchen, etwas zu verheimlichen oder einer unangenehmen Konsequenz zu entgehen. Die Fähigkeit, die eigene Perspektive, die Perspektive eines anderen Menschen, Realität, Erinnerung und erfundene Geschichten voneinander zu unterscheiden, entwickelt sich jedoch über mehrere Jahre. Etwa im Vorschul- und frühen Grundschulalter werden Kinder darin zunehmend sicherer. Eine feste Grenze gibt es dabei nicht. Entwicklung verläuft schrittweise und jedes Kind ist anders.
Bevor du dein Kind einen Lügner nennst
Wenn dein Kind etwas erzählt, das nicht stimmt, frag dich zunächst:
Je besser du verstehst, warum dein Kind etwas erzählt, desto besser kannst du es dabei begleiten. Du musst nicht jede Geschichte einfach glauben. Du darfst nachfragen und gemeinsam mit deinem Kind herausfinden, was wirklich passiert ist.
Wenn dein Kind etwas erzählt, das nicht stimmt, bedeutet das nicht automatisch:
„Mein Kind lügt mich an.“
Manchmal bedeutet es einfach:
„Mein Kind entwickelt gerade Fähigkeiten, die für mich als Erwachsenen längst selbstverständlich sind.“
Dein Kind muss erst lernen, Fantasie und Wirklichkeit auseinanderzuhalten.
Es muss lernen, sich an Situationen zu erinnern, Verantwortung für das eigene Handeln zu übernehmen und mit unangenehmen Konsequenzen umzugehen.
Du kannst es dabei begleiten, ohne es gleich als Lügner zu bezeichnen.
Denn aus einem Kind, das eine Geschichte erzählt, die nicht ganz stimmt, muss kein „lügendes Kind“ werden.
Es darf lernen, ehrlich zu sein und gleichzeitig seine Fantasie zu behalten.
Wenn du merkst, dass eine Geschichte so nicht passiert sein kann, musst du dein Kind nicht sofort mit dem Vorwurf „Du lügst!“ konfrontieren.
Du kannst erst einmal nachfragen.
„Erzähl mir noch einmal, wie das passiert ist.“
Oder:
„Bist du dir sicher, dass es so war, oder hast du dir das gerade vorgestellt?“
So gibst du deinem Kind die Möglichkeit, noch einmal über das Geschehene nachzudenken.
Gerade bei jüngeren Kindern kann es hilfreich sein, ruhig zu bleiben und nicht aus jeder Unwahrheit einen großen Konflikt zu machen.
Anders kann es aussehen, wenn dein Kind bewusst versucht, etwas zu verheimlichen, weil es Angst vor Ärger hat.
Auch dann hilft es, ruhig zu bleiben.
Du kannst sagen:
„Du hast Angst, dass ich jetzt böse werde. Trotzdem möchte ich wissen, was passiert ist.“
Damit vermittelst du deinem Kind, dass es ehrlich mit dir sprechen darf, auch wenn einmal etwas schiefgegangen ist.
Ehrlichkeit darf sich sicher anfühlen
Kinder müssen erst lernen, dass Ehrlichkeit nicht bedeutet, dass sie automatisch Ärger bekommen.
Wenn dein Kind merkt, dass es auch mit unangenehmen Dingen zu dir kommen kann, wird es leichter, ehrlich zu erzählen, was passiert ist.
Das bedeutet nicht, dass jede Situation ohne Konsequenz bleibt.
Dein Kind darf lernen, Verantwortung für das eigene Handeln zu übernehmen. Gleichzeitig darf es wissen, dass es mit seinen Fehlern zu dir kommen kann.
Vielleicht ist genau das eine der wichtigsten Erfahrungen, die dein Kind machen kann: Ich darf die Wahrheit sagen, auch wenn etwas schiefgegangen ist. Mama oder Papa bleibt trotzdem an meiner Seite.
Judith Braun
Wenn du Unterstützung brauchst
Wenn dich das Verhalten deines Kindes immer wieder beschäftigt und du unsicher bist, wie du damit umgehen kannst, musst du damit nicht allein bleiben.
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Dieser Beitrag wurde mit Unterstützung künstlicher Intelligenz erstellt und redaktionell von Judith Braun geprüft und überarbeitet.
Judith Braun ist Familiencoachin, ausgebildete Erzieherin und Pädagogin aus Hamburg. Seit über 15 Jahren begleitet sie Eltern und Familien. In Kindertagespflegestätten, im 1:1 Familiencoaching und in der systemischen Familienberatung.

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